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Presse
8.10.2011 - Wiesbaden
Reise in die Vergangenheit
SCHAUSPIELSCHULE Premiere von Neil LaButes „Some Girl(s)“
von Mariann Kreikenbom
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„Some Girl(s)“ von Neil LaBute heißt die neue Eigenproduktion der Wiesbadener Schule für Schauspiel (WSfS), die im Georg-Buch-Haus ihre Premiere feierte. Das Besondere: Alles an dieser Inszenierung ist das Werk der Studenten des Abschlussjahrgangs, angefangen bei Dramaturgie und Regie bis zum Bühnenbild und den Entwürfen für Plakat und Programmheft. Chapeau - man kann nur den Hut ziehen vor der nunmehr vierten Eigenproduktion dieser Art, dem Mut zum Selbermachen genauso wie
dem zum Selbermachen lassen des Leitungsduos der Schule, Verena Plümer und Martin Plass, die im Wechsel die Stücke aussuchen.
Das Stück des 1963 in Detroit geborenen Autors spielt in vier verschiedenen Hotelzimmern an vier verschiedenen Orten der USA. Ein nicht mit Namen genannter Mann Anfang dreißig (Daniel Schwingel) - Schriftsteller von Beruf und ganz offenbar Womanizer - begibt sich kurz
vor seiner geplanten Hochzeit auf eine Reise in seine Vergangenheit. Er
besucht die Orte seiner Studentenzeit und hat dort je eine Ex-Freundin um ein Treffen gebeten. Ihn treibt das Gefühl, bei jeder dieser vier Frauen irgendetwas wieder ins Lot bringen zu müssen.
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Begegnungen mit den Ex-Freundinnen: Der namenlose Mann (Daniel
Schwingel) und die nur scheinbar muntere Tyler (Katarina Schmidt) in der
Inszenierung der Schauspielschule. Foto: wita/Paul Müller
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Da ist Sam (Maria
Antonescu), die er mit dem zweifelhaften Kompliment konfrontiert, sie
sei genau das geworden, was er sich immer gedacht habe: eine brave
Ehefrau und Mutter. Nein, sie habe nichts falsch gemacht, glaubt der
junge Mann ihr großzügig sagen zu müssen. „Danke!“, ruft Sam empört. Sie
hatte ihre erste Liebe als eine Art Romeo-und-Julia-Geschichte in
Erinnerung. „Lass uns Spaß haben“ fordert ihn die hübsche Tyler
(Katharina Schmidt) zur Auffrischung der gemeinsam verbrachten sexuell
stürmischen Collegezeit heraus. Doch hinter ihrer Munterkeit steckt auch
Enttäuschung und Verletzlichkeit. Lindsay (Anna Neata), ein paar Jahre
älter als er und schon damals verheiratet, fühlt sich verraten. Denn als
ihre Affäre aufflog, verschwand er auf Nimmerwiedersehen. Auch Bobbie
(Nuriye Arslanoglu), seine angeblich einzige große Liebe lässt ihn
abblitzen. Dieser im Grunde leichtlebige, lässige, gebildete Mann
begegnet seinen Ex-Freundinnen ebenso naiv wie rücksichtslos. Die Frauen
setzen Selbstbewusstsein und Souveränität statt alte und neue
Verzweiflung dagegen. In den mit Witz geschriebenen Dialogen entfaltet
der Autor nach und nach sehr verschiedene Betrachtungsweisen jeweils ein
und derselben Beziehung. Jede Rolle wird hier zu einer kleinen,
bravourös gemeisterten Charakterstudie.
08.04.2011 - WIESBADEN
Auf dem Weg ins Rampenlicht
SCHAUSPIEL Wiesbadener Schule kooperiert mit dem Thalhaus
Von Anja Baumgart-Pietsch
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„Wir würden uns wünschen, in Wiesbaden noch stärker wahrgenommen zu werden“, sagt Verena Plümer. Sie leitet gemeinsam
mit ihrem Kollegen Martin Plass die „Wiesbadener Schule für
Schauspiel“. Hier können sich jedes Jahr etwa sieben bis zehn
junge Männer und Frauen zu Schauspielern ausbilden lassen - mit
einer staatlichen Prüfung als Abschluss. Und mit guten
Erfolgschancen: „Unsere Absolventen bestehen zu hundert Prozent das
Vorsprechen bei der Zentralen Arbeitsvermittlung“, sagt Martin
Plass. Dieses Vorsprechen ist Voraussetzung für die Aufnahme in die
Kartei der Künstlervermittlung der Bundesagentur für Arbeit und
somit für den Eintritt in den Arbeitsmarkt.
Denn eine Schauspielerkarriere hat meist nicht das Ziel Hollywood,
wie vielleicht manche denken. Stattdessen sind die Absolventen der
Wiesbadener Schule aber sehr erfolgreich an deutschen Bühnen oder im
Fernsehen tätig. In Wiesbaden zeigen sie regelmäßig ihre
Ausbildungsfortschritte in eigenen Inszenierungen - sowohl mit
Regisseur als auch komplett selbst erarbeitet. Die Stücke sind in
der Regel aber nur im Theaterraum der Schule, im Obergeschoss des
Georg-Buch-Hauses, zu sehen.
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Martin Plass und Verena Plümer leiten
die Wiesbadener Schule für Schauspiel. Foto: RMB/Heiko Kubenka
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In diesem Herbst gibt es erstmals eine Kooperation mit einer
anderen Bühne: „Das Thalhaus ist auf uns zugekommen“, freut sich
Verena Plümer, „im November können wir dort ein Stück zeigen“.
Der Schritt in die Öffentlichkeit ist den beiden Leitern der
Schauspielschule ein wichtiges Anliegen, nicht nur, um den Schülern
möglichst oft und authentisch den Kontakt zum Publikum bieten zu
können, damit sie ihre Fähigkeiten unter realen Bedingungen testen.
„Wir sind auch so selbstbewusst, zu sagen, dass wir für
Wiesbadens kulturelle Szene eine Bereicherung darstellen können“,
bekräftigt Martin Plass. Die Qualität der Ausbildung ist gut, die
Absolventen sind gefragt. Umso mehr, als sich die Schauspielschule
bemüht, ihren Lehrplan an die Arbeitsmarktbedingungen anzupassen:
„Seit wir in den neuen Räumen in der Innenstadt arbeiten können,
haben sich unsere Möglichkeiten erweitert“, sagt Plass. Man könne
hier beispielsweise auch auf Tätigkeiten als Sprecher vorbereiten
oder Kameraarbeit üben. Denn obwohl viele Schauspieler sowohl für
Theater als auch Fernsehen arbeiten, liegt der Schwerpunkt in den
offiziellen Lehrplänen meist auf den Bühnenfähigkeiten. „Für
die Arbeit vor der Kamera sind aber ganz andere Dinge wichtig“,
erklärt Martin Plass. „Man muss ,kleiner spielen‘ können als
vor einem Theaterpublikum, sollte gewisse technische Details kennen,
damit zurechtkommen, dass nicht immer chronologisch erzählt wird -
es ist ein völlig anderes Arbeiten.“
Auch auf das Synchronsprechen und andere Sprechertätigkeiten geht
man in der Ausbildung an der Wiesbadener Schule ein: Ein Tonstudio
mit realen Arbeitsbedingungen ist vorhanden, so dass die
Schauspielschüler beim Abschluss auch diese Fertigkeiten mitbringen.
„Wir arbeiten daran, ein siebtes Aufbau-Semester auf die Beine zu
stellen, das man nach der Prüfung noch absolvieren kann und das sich
dann ganz gezielt mit der Arbeit vor der Kamera beschäftigt“, so
Plass. Der Erfolg ihrer Absolventen gibt den Leitern der Schule
recht: „Wir kommen kaum noch nach, alle Vorstellungen zu besuchen,
in denen unsere Leute spielen“, freut sich Verena Plümer.
SCHAUSPIEL Wiesbadener Schule kooperiert mit dem Thalhaus
Viele Absolventen haben übrigens einen Migrationshintergrund und
sind daher momentan gesuchte „Typen“ für Film und Fernsehen:
Gerade hat beispielsweise Ali Murtaza, ein Absolvent aus dem Jahr
2008 mit pakistanischen Wurzeln, einen Film mit dem Titel „Homies“
abgedreht, in dem er neben Jimi Blue Ochsenknecht eine der
Hauptrollen spielt. Daneben hat Murtaza aber auch einen Vertrag am
Landestheater Castrop-Rauxel und spielt dort in „Heimat NRW“ -
ein Stück nach einer Vorlage von Aristophanes - die Hauptrolle. Ein
Beleg für die breit angelegte Ausbildung, die den Absolventen
Chancen auf zahlreichen Feldern eröffnet.
Plass und Plümer haben aber auch noch andere Pläne, oder besser
Wünsche, denn unter der gegenwärtigen finanziellen Situation ist
die Umsetzung nicht einfach. „Wir würden gerne eine eigene
regelmäßige Spielstätte betreiben“, sagt Martin Plass. Das könne
Wiesbadens freie Theaterszene noch vertragen, und das Potenzial der
Schüler biete die Möglichkeit. Immerhin sind schon jetzt pro Jahr
drei bis vier Stücke zu sehen, die stets gut besucht sind.
Die Kooperation mit dem Thalhaus ist der erste Schritt nach außen.
Doch auch sonst sind Schüler der Schule für Schauspiel sehr aktiv
in Wiesbaden: „In fast jeder Folge von ,Ein Fall für zwei‘ sind
Leute von uns zu sehen, da gibt es eine gute Kooperation mit
Odeon-Film“, so Verena Plümer.
22.11.2010 - WIESBADEN
Drehen in der Endlosschleife
PREMIERE Abschlussklasse der Schule für Schauspiel zeigt „Kaspar Häuser Meer“
Von Christina Eickhorn
Überfordert, ängstlich, ausgebrannt. Ihre Arbeit können die drei Sozialarbeiterinnen vom Jugendamt kaum mehr bewältigen. Ihre verantwortungsvolle Arbeit. Immerhin geht es um das Wohl der Kinder, um Menschenleben. Ständig und ohne Unterlass erreichen sie Anzeigen von Nachbarn, die hinter den Wänden ihrer Wohnung wieder einmal merkwürdige Geräusche gehört haben. Und jedem Hinweis muss nachgegangen werden, dass
ein unschuldiges Kind weiter vernachlässigt, misshandelt und missbraucht wird, darf nicht sein.
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Aber wie? Wie sollen die drei chronisch überlasteten Frauen vom Amt diese Flut an Beschwerden und Missständen bearbeiten? Gerade jetzt, wo sich auch noch Kollege Björn mit einem Burn-Out-Syndrom krank gemeldet hat. Langsam aber sicher gehen die drei Frauen in der Flut von Arbeit und Verantwortung unter. Die erfahrene Barbara (gespielt von Greta Carl)
flüchtet sich mehr und mehr in Fantasien von Reisen in ferne, menschenleere Länder, Silvia (Maria Antonescu) bleibt, angesichts der Tatsache, dass sie die liegengebliebenen Fälle von Björn niemals wird abarbeiten können, nur noch der Griff zur Flasche, und die junge Anika (Niuscha Etemadi) beginnt, niedergestreckt vom verzweifelten Kampf gegen
die Windmühlen der Bürokratie, ihre eigene Tochter zu schlagen.
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Durchdacht inszeniert wurde das sozialkritische Drama von der
Abschlussklasse der Schule für Schauspiel. Alles geht drunter und
drüber. Wortwörtlich. Denn die Schauspielerinnen spielen nicht nur auf,
sondern auch unter der Bühne. Diese Bühne, die zu Beginn des Stücks noch
brach und aufgeräumt daliegt, ist am Ende komplett verwüstet und
spiegelt die innere Zerissenheit der Protagonistinnen eindrucksvoll
wider. Auch unterstützt die rasante Sprache der Autorin Felicia Zeller
den gehetzten Eindruck, den die drei Frauen vom Amt beim Zuschauer
hinterlassen. Ihre Sprache ist brüchig, Sätze hören einfach auf oder
drehen sich in einer Endlosschleife gnadenlos um sich selbst. Zuweilen
ist das für den Zuschauer anstrengend, denn es wird schnell und meistens
sehr laut gesprochen. Doch das verstörende Gefühl, das sich beim Besuch
des Stücks - trotz einiger symphatisch inszenierter, komischer
Einschübe - teilweise einstellt, ist vor dem Hintergrund der Geschichte,
absolut berechtigt.
Felicia Zeller schrieb „Kasper Häuser Meer“ aus dem Anlass immer
wiederkehrender Horrormeldungen in den Medien, die von verwarlost oder
gar tot aufgefundenen Kindern berichteten. Und immer wieder tauchte in
diesem Zusammenhang die Frage nach der Verantwortung der Jugendämter
auf, die doch eigentlich davon hätten wissen und folglich etwas hätten
unternehmen müssen. Doch Zellers Antwort auf diese Frage untergräbt das
übliche Schwarz-Weiß-Denken und gewährt dem Zuschauer einen Blick hinter
die Kulissen überlasteter und unterbesetzter Ämter und vor allem einen
Blick hinter die Fassade dreier hilfloser und verzweifelter Frauen, die
ihren Wunsch zu helfen nicht umsetzen können.
02.10.2010 - Wiesbadener Tagblatt
Rundum gelungen
SCHAUSPIELSCHULE Sartre-Stück erzeugt atemlose Spannung
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(MaK). „Huis clos“ oder zu Deutsch „Bei geschlossenen Türen“ heißt im Original ein Theaterstück von Jean Paul Sartre (1905-1980), dem Hauptvertreter des französischen Existenzialismus. Bekannt ist es hierzulande unter dem Titel „Geschlossene Gesellschaft“. Das Drama in einem Akt gilt als eines der besten Stücke des Autors. In der Inszenierung von Martin Plass, der gemeinsam mit Dr. Verena Plümer die Wiesbadener Schauspielschule leitet,
ist es derzeit in einer rundum gelungenen Aufführung der Abschlussklasse zu sehen.
„Geschlossene Gesellschaft“ ist eine Herausforderung für alle Beteiligten. Schon deshalb, weil es keine Handlung gibt, sondern „nur“ Worte in einem zermürbenden Kampf jeder gegen jeden. Ein Kammerspiel par
excellence im doppelten Wortsinne, denn was sich hier abspielt, geschieht in einem Salon mit drei Sesseln bei tatsächlich verschlossener
Tür. Entrinnen unmöglich.
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Alexander Bettendorf (Garcin), Marlene Zimmer (Estelle) und Jette Pook
(Inés) als „Geschlossene Gesellschaft“. Foto: Wiesbadener Schule für
Schauspiel/Martin Plass
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Es ist ein Ort der Verdammnis, die Hölle also, in die ein Page (Daniel
Schwingel) nacheinander einen Mann und zwei Frauen führt. Zuerst Garcin,
den Journalisten und Literaten (Alexander Bettendorff), der auf seiner
Flucht vor dem Krieg erschossen wurde und sich selbstquälerisch
vorwirft, ein Feigling gewesen zu sein. Dann die lesbische
Postangestellte Inés (Jette Pook), deren Geliebte klammheimlich den
Gashahn aufdrehte, bevor sie sich zu Inés ins Bett legte. Und
schließlich die reich verheiratete, oberflächliche, schöne Estelle
(Marlene Zimmer), gestorben an einer Lungenentzündung. Estelle erfindet
eine rührende Lebensgeschichte, um zu verdrängen, dass sie eine
Kindsmörderin ist und ihren Geliebten in den Tod trieb. Alle drei
wissen, dass sie verdammt sind, aber welche Höllenqualen auf sie warten,
erfahren sie erst nach und nach. Kein Folterknecht, kein
Schwefelgestank und kein Schmoren im Fegefeuer sind ihre Strafen. In
auswegloser Situation durchleiden sie die Erfahrung, heillos einander
ausgeliefert zu sein. Jeder quält jeden und wird selbst gequält, ist
Täter und Opfer in einem. „Kein Rost erforderlich, die Hölle, das sind
die andern“, spricht Garcin am Ende das berühmte Sartre-Fazit. Ein
anspruchsvolles Stück, mit dem Regisseur und Darsteller in jeder
Hinsicht überzeugen. Rund neunzig Minuten ohne Pause halten sie ihr
Publikum in atemloser Spannung. (MaK).
27.05.2010 - Wiesbadener Tagblatt
Absurdes Theater auf dem Rummel
SCHAUSPIELSCHULE Premiere im Buch-Haus mit „Tod im Eierbecher“
Von Marianne Kreikenbom
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Was,bitte schön, macht eine Lotterieunternehmerin, wenn ihr auf dem Rummelplatz aus heiterem Himmel ein Fastnachtsmerowinger in die Preise fällt und alle Eierbecher zerschlägt? Richtig, sie holt Sherlock Holmes und den Chef der Kripo. Dank der Aussage einer alkoholisierten Holzpferdeschweiffabrikantin und den Fähigkeiten der Besondershellseherin kommen die beiden der Karussellbesitzerin und verkappten Brünhilde bald auf die Schliche.
Wer jetzt denkt, das sei ja völlig absurd - der befindet sich ebenfalls auf der richtigen Spur. „Tod im Eierbecher oder: Jetzt, wo ich tot bin, brauche ich keine Szenen mehr zu befürchten“ ist der Titel eines von Wolfgang Packhäuser mit Wiesbadener Schauspielschülern frisch und fröhlich inszenierten Theaterabends für Liebhaber der Groteske.
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Spaß an der Sache: Szene aus dem Stück.
Foto: RMB/Heiko Kubenka
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Wer als
Zuschauer gern etwas zu lachen hat, bis ihm der Atem stockt, dem sei
dieser Abend mit den Minidramen des hierzulande fast unbekannten
französischen Autors Pierre Henri Cami (1884-1958) dringend empfohlen.
Auch weil die sämtlich mitwirkenden jüngeren Semester der Schule mit
Verve zeigen, was sie drauf haben. Egal ob betrogener Verstorbener,
eifersüchtiger Bauchredner, taubstumme Gattin oder junger Straßenkehrer
mit Mutti, Waisenmädchen und Perlenauster - allen Mitspielern merkt man
den Spaß an, mit dem sie ihre Talente aufblitzen lassen. Dietmar
Barbatschi zudem auch als einfühlsamer Begleiter am Flügel.
In Cami darf man einen frühen Vertreter des absurden Theaters von
überraschenden Nonsens- und Comedy-Qualitäten sehen. Haupt- und
Nebenrollen der insgesamt sechs Minidramen hat Wolfgang Packhäuser
mehrfach neu verteilt. Das gibt den Darstellern die Möglichkeit, sich in
vielen Rollen auszuprobieren und macht das Ganze lebendig.
06.10.2009 - Wiesbadener Tagblatt
Keine " Dichtung zum Auspfeifen"
PREMIERE " Komödie ohne Titel" von Federico Garcia Lorca in der Schauspielschule
Von Marianne Kreikenbom
Von den spanischen Dichtern der jüngeren Vergangenheit ist Federico
Garcia Lorca (1898-1936) der wohl bekannteste. " Komödie ohne Titel"
heißt ein Stück aus seinem Nachlass, das Verena Plümer mit Absolventen
der Wiesbadener Schule für Schauspiel inszeniert hat.
Das
Stück entstand Anfang der 1930er Jahre in einer politisch und sozial
schwierigen Zeit. 1978 wurde es erstmals gedruckt und 1989 in Madrid
uraufgeführt. Garcia Lorca spiele darin mit dem Verhältnis von
Wirklichkeit und Fiktion, sagt Verena Plümer, die gemeinsam mit Martin
Plass die Wiesbadener Schauspielschule leitet. Der Autor selbst habe
den Einakter damals für nicht aufführbar gehalten. Es sei " eine
Dichtung zum Auspfeifen" , meinte er im Zusammenhang mit seinem
zeitgleich entstandenen und thematisch ähnlichen Stück " Das Publikum" .
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Für die Aufführung in der Schauspielschule gilt die Behauptung ganz und
gar nicht. Aufmerksam verfolgte das Publikum eine lebendig inszenierte
Auseinandersetzung mit der Frage, ob und in welchem Maß die Kunst ein
Abbild des Lebens inklusive sozialer Ungerechtigkeit sein darf, kann
oder muss. So nahtlos unterfüttert Regisseurin Verena Plümer das
spanische Stück mit adaptierten Szenen aus Shakespeares
"
Sommernachtstraum"
, dass es passt, wenn sich Helena (Franziska Kruse)
und Hermia (Daniela Fonda) - angeheizt von Puck (Iris Hassenzahl) und
Elfe (Maren Schwartz) - wegen Lysander und Demetrius in die Wolle
kriegen und die Schauspielerin als Titania (Caroline Galimow) um dieGunst des Autors (Georg Metzler) buhlt.
Der Autor hatte zu Beginn des Spiels erklärt, er wolle kein Theater aufdie Bühne bringen, sondern die Wirklichkeit. Eine Absicht, die beim
(bürgerlichen) Zuschauer (Roni Merza) nebst Ehefrau (Angela Hasak) auf
wenig Gegenliebe stößt. " Das einzige Gesetz des Theaters ist das Urteil
des Zuschauers" , apostrophiert " der Zuschauer" und geht. Schnell holt
ihn die Realität ein: Auf der Straße wird geschossen, das Foyer ist
voller Aufständiger. " Es lebe die Revolution" , ruft eine Stimme. Der
Zuschauer greift zur Pistole.
Den Rollen liegen keine Individuen zugrunde, sondern Typisierungen im
Dienste der Gedanken, was eine gewisse sachliche Distanz bewirkt. Im
schwarzen Bühnenraum und fast ohne Szenenbild gelingt allen Beteiligten
eine überzeugende Leistung.
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30.06.2009 - Wiesbadener Tagblatt Glücklich im Erdgeschoss Schimmelpfennigs Duell um die 16. Etage / Professionelle
Härte, private Schwäche Von Anne Winkel
Geschafft. Drei Jahre Ausbildung liegen hinter der Abschlussklasse
der Schauspielschule Wiesbaden. Jetzt führen die Absolventen Roland
Schimmelpfennigs " Push Up 1, 2, 3" auf. Das junge Ensemble
überzeugt mit ausdrucksstarker Mimik und starker Stimmführung.
Keine trägt Blau. Alle haben Sex. Denkt zumindest Sabine (Daniela
Fonda). Die 28-Jährige hat es in der Firma weit gebracht und soll
nun auf Empfehlung von Chef Kramer in die Zentrale nach Delhi. Der
Weg über Indien führt direkt in den 16. Stock des Konzerngebäudes.
Dort will jeder hin: Die engagierte Franka (Iris Hassenzahl),
Workaholic Helen (Caroline Galimow), die kreative Patrizia (Lilly
Oppenländer) und Aufsteiger Robert (Roni Merza).
Für den Karrieretraum geben die Protagonisten alles. Doch was
bewegt sie wirklich? Durch einen Wechsel von Dialog und innerem
Monolog erfährt der Zuschauer viel über das, was keiner zeigen
will: Schwäche, Sehnsucht und Emotion.
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Die Schauspieler machen den Spagat zwischen professioneller Härte
und privater Schwäche erlebbar. Zunächst arrogant und unnahbar
beginnt Melanie Fricke als Kramers Frau Angelika plötzlich zu
schwitzen und zupft nervös an ihrem Kostümkragen. Lilly Oppenländer
trägt in der Rolle der Patrizia mit kaltem Blick die Idee zu einem
neuen Werbespot vor. Erst als sie an ihren Traum von einer Familie
denkt, beginnen die Augen zu leuchten. Eindrucksvoll agiert außerdem
Caroline Galimow. In Spiel und Sprache windet sie sich von
Selbstüberhöhung zu Verzweiflung und endet schließlich in
zunehmend verloren gehender Hoffnung.
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 Karriere bekommt offensichtlich nicht jedem gut. Foto: wita /
Paul Müller
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In ihre Rolle schlüpfen die Darsteller bereits vor der
Aufführung. " Machen Sie das zu" , befiehlt die
Firmeninhaberin vor dem Aufzug angesichts eines offenen Blusenknopfs
ihrer Mitarbeiterin. Das Bühnenbild (Grafik: Elena Lange-Hermstädt,
Videoinstallation: Sebastian Jacksteit) unterstreicht die herrschende
Gefühlskälte.
An einem großen grauen Tisch stehen zwei Bürostühle mit
seitlichem Zebramuster. Die Assoziation eines Gesetzes des Dschungels
liegt nahe: Fressen und gefressen werden heißt es in der Firma. Ein
Stuhl ist schwarz einer rot. Dazu passend präsentieren sich die
Kostüme (verantwortlich: Despina Chalkidou) mit schwarzem
Business-Look und roten Accessoires. Nur Sabine, die ohnehin um ihre
Stelle fürchten muss, trägt Blau.
Im Stück von Schimmelpfennig, der zu den derzeit erfolgreichsten
deutschen Dramaturgen zählt und seit 1999 an der Schaubühne Berlin
arbeitet, scheinen schließlich nur die beiden Pförtner (in
Doppelrollen: Iris Hassenzahl und Roni Merza) ihr Glück zu finden.
Im Erdgeschoss der Firma. Ganz unten auf der Karriereleiter.
18.04.2009 - Wiesbadener Tagblatt Die Fremde vom zugefrorenen See Premiere der Schauspielschule: " Die Eisvögel" von Marianne Kreikenbom
Auf der Bühne der Wiesbadener Schule für Schauspiel hatte jetzt das
Dreipersonenstück " Die Eisvögel" von Tine Rahel Völcker Premiere. Das
Werk der Berliner Autorin kam Regisseur Martin Plass gerade recht für
seine Inszenierung mit der Abschlussklasse, die aus nur drei Schülern
besteht: Michelle Brubach, Elif Esmen und Gregor Müller. Nach
dreijähriger Ausbildung absolvieren sie Anfang Mai ihre
Abschlussprüfung. Dass sie das Zeugnis der Bühnenreife erhalten, dürfte
nach dieser Aufführung kaum jemand bezweifeln. Jedem einzeln und allen
zusammen gelang ein bemerkenswertes und bis zur letzten Minute
spannendes Kammerspiel, dessen Faszination und Potenzial sich ohne
viele Worte entwickelt. Gerade deshalb steht und fällt es mit der
schauspielerischen Leistung.
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| Gefangen in beklemmender Gegenwart: Gregor Müller als Karl und Michelle Brubach als Josi .Foto: wita/Paul Müller |
In rasantem Tempo entfaltet sich auf der Bühne ein subtiles
Eifersuchtsdrama mit Psycho-Effekt und explodierender
Sex-and-Crime-Phantasy. Dabei fängt alles relativ harmlos an. Der nach
eigener Aussage glücklich verheiratete Filmkomponist Karl (Gregor
Müller) holt die sehr junge vermeintliche Selbstmörderin Josi (Michelle
Brubach) vom dünnen Eis eines zugefrorenen Sees und nimmt sie mit in
sein Haus am Waldrand. Nur für eine Nacht. Seine Frau Eva (Elif Esmen)
beäugt die Fremde misstrauisch, aber akzeptiert die Übernachtung.
Fragen will Josi nicht beantworten. Aber sie bleibt länger als eine
Nacht. " Ich habe mich eingenistet wie ein Floh" , sagt sie und lächelt.
Ein zerstörerisches Spiel nimmt seinen Lauf. Michelle Brubach verleiht ihrer Josi eine Unbedarftheit und
Undercover-Tragik, von der man nie richtig weiß, ob sie echt ist.
Stimmig balanciert sie die Figur zwischen jugendlicher Schutzlosigkeit,
provokantem Selbstbewusstsein und einer erotischer Anziehungskraft, der
Karl erwartungsgemäß erliegt. Aber auch Eva ist Josi nicht gewachsen.
Aufgestört aus einer bis dato zumindest äußerlich heilen Welt, zutiefst
verletzt und verunsichert, reagiert sie hektisch mit Sex-Attacken und
Machtspielchen. Karl macht alles mit.
Beschwört Autorin Völcker (Jahrgang 1979) die Unmöglichkeit
zwischenmenschlicher Beziehungen? Zeigt sie, wozu wir imstande sind in
unseren eigenen vier Wänden? Ihre Eisvögel-Figuren haben keine
Vergangenheit und keine Zukunft, nur die Gegenwart einer scheußlichen
Situation, in der alles offen bleibt.
Weitere Vorstellungen am 17. und 19. April sowie am 8., 10., 15. und
17. Mai jeweils um 20 Uhr in der Wellritzstraße 38. Kartenvorbestellung
unter 0611 / 3349795.
14.04.2009 - Wiesbadener Kurier Selbstzerstörerische Ménage-à-trois " Die Eisvögel" von Tine Rahel Völcker in der
Wiesbadener Schule für Schauspiel
WIESBADEN (red) . Ein Beziehungskrimi als psychologisches
Kammerspiel: " Die Eisvögel" von Tine Rahel Völcker hat in
der Wiesbadener Schule für Schauspiel in der Wellritzstraße 38 am
Donnerstag Premiere.
Der Filmkomponist Karl (Gregor Müller) bringt eines Tages eine
junge Frau von einem seiner abendlichen Spaziergänge mit ins
gepflegte Haus im Wald. Er hat Josi (Michelle Brubach) vor dem
Selbstmord bewahrt, als er sie von einem zugefrorenen See
herunterquatschte. Seine Frau Eva (Elif Esmen), Managerin in einer
Werbeagentur, erlaubt, dass sie die Nacht im Gästezimmer bleiben
kann. Doch Josi zeigt kein großes Interesse, an der Situation etwas
zu ändern, sondern nistet sich bei Karl und Eva häuslich ein. Es
dauert nicht lange, bis sie die wohl geordnete Beziehung und das
durchgeplante Leben von Karl und Karrierefrau Eva durcheinanderbringt
und sich die Drei in einem Strudel aus Beziehungskrise, Eifersucht
und gegenseitiger Demütigung wiederfinden.
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Wenn in die Beziehung Leerlauf eingekehrt ist, kann das
Auftauchen eines Dritten für heftige Reaktionen sorgen: zu sehen
im Theaterstück " Die Eisvögel" mit (v.l.) Elif Esmen
(Eva), Gregor Müller (Karl) und Michelle Brubach (Josi).
wita/Müller
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Das ist die Ausgangssituation im Stück " Die Eisvögel"
der Berliner Autorin Tine Rahel Völcker, das die Studenten der
Abschlussklasse Mai 2009 der Wiesbadener Schule für Schauspiel mit
der Premiere an diesem Donnerstag, 16. April, auf die Bühne der
Schule im Georg-Buch-Haus bringen.
Zusammen mit Regisseur Martin Plass, der gemeinsam mit Verena
Plümer die Schule leitet, haben die drei Schauspieler Elif Esmen,
Michelle Brubach und Gregor Müller dieses Kammerspiel erarbeitet.
"
Nach den großen Produktionen, die wir zuletzt gespielt haben -
bei Dantons Tod waren über 20 Schauspieler auf der Bühne - sind wir
froh, jetzt etwas in diesem kleinen Rahmen machen zu können. Karl
und Eva sind seit der Schule zusammen, verfolgen ihre Karrieren und
in ihre Beziehung ist Leerlauf eingekehrt. Durch den Einbruch Josis
in diese fest gefügte Welt gerät alles aus den Fugen" ,
beschreibt Plass den Charakter des Stücks.
Ausgewählt wurde es auch, weil es die drei Schauspieler vor neue
Herausforderungen stellt. " Einige Aspekte der Josi sind mir sehr
fremd. Ich kann hier üben, ganz weit weg von mir zu sein" ,
beschreibt Michelle Brubach das Besondere ihrer Rolle. Für Elif
Esmen liegt der Knackpunkt nicht nur darin, die toughe Managementfrau
Eva herauszuarbeiten: " Wenn man mit 20 Mann auf der Bühne
steht, fällt ein schlechter Tag nicht so ins Gewicht. In einem
Dreipersonenstück kann sich niemand verstecken oder zurücknehmen."
Gregor Müller reizen die klare Sprache und die kurzen, prägnanten
Dialoge, die dem Stück ein enormes Tempo verleihen.
" Man kann mit so einem Stück durchaus scheitern, aber ich
bin nach dem bisherigen Probenverlauf sehr zuversichtlich" ,
bescheinigt Plass seinen Studenten, dass sie ihre Aufgaben lösen.
Dabei haben die drei derzeit eigentlich schon genug zu tun, legen sie
nach drei Jahren Ausbildung doch Anfang Mai ihre Abschlussprüfung
ab. Doch diese Abschlussproduktion ist ganz bewusst ins Konzept der
Ausbildung integriert. " Die Studenten erleben hier mit
regelmäßigen Proben und mehreren Aufführungen ganz normale
Theaterbedingungen, wie sie sie auch später in ihrem Beruf vorfinden
werden"
, erläutert Verena Plümer das Konzept.
Wie das Ergebnis ausfällt, können Wiesbadener Theaterfreunde im
April und Mai herausfinden. Die Premiere ist am kommenden Donnerstag,
16. April, um 20 Uhr in der Wiesbadener Schule für Schauspiel in der
Wellritzstraße 38.
" Die Eisvögel" : Premiere am 16. April. Weitere
Vorstellungen: 17. und 19. April sowie 8., 10., 15. und 17. Mai.
Wiesbadener Kurier vom 11.04.2009
Beziehungskrimi im Würfel Wiesbadener FH-Studenten bauen Bühnenbild für die
Schauspielschule von Marianne Kreikenbom
In der Wiesbadener Schule für Schauspiel (WSfS) hat am
Donnerstag, 16. April, das Drei-Personen-Stück " Die Eisvögel"
von Tine Rahel Völcker Premiere. Ein Kammerspiel, mit dem sich die
drei Absolventen des Jahrgangs 2/06 nach dreijähriger Ausbildung mit
dem Zeugnis der Bühnenreife verabschieden. Das Bühnenbild stammt
von Innenarchitekturstudenten der Fachhochschule Wiesbaden und wird
derzeit in der BauHaus-Werkstatt angefertigt. Schauspielschule und
BauHaus-Werkstatt sind Nachbarn im Georg-Buch-Haus in der
Wellritzstraße.
Theja Schindler, Stefanie Fernsemer und Philipp Sakoucky stehen
vor der Tafel mit ihren Zuschnittlisten. Eigentlich haben sie zu
fünft an den Bühnenbildentwürfen gearbeitet, erzählt Stefanie
Fernsemer. Aber Lucy Vonrhein und Michael Henning sind verhindert und
diesmal nicht in der Werkstatt. Das Bühnenbild der fünf
Fachhochschul-Studenten ist kein Bild, sondern ein zerlegbarer Würfel
von 2,20 Meter Seitenlänge. Er setzt sich aus vielen kleineren
Würfeln zusammen und bildet unterschiedliche Spielflächen.
Das Stück erzählt vom Filmkomponisten Karl, der eine junge Frau
namens Josi am Selbstmord hindert. Er begegnet ihr auf einem seiner
Abendspaziergänge am See im Wald und bringt sie in sein Haus. Seine
Frau Eva scheint nichts dagegen zu haben, dass Josi länger als nur
eine Nacht bleibt. Ein spannender Beziehungskrimi beginnt. Das
Würfel-Haus - für Regisseur Martin Plass ist es ein " gepflegtes
Schöner-Wohnen-Heim"
- avanciert zum Dreh- und Angelpunkt des
Geschehens.
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Auf einer der BauHaus-Werkbänke liegen nummerierte Spanplatten.
"
Die haben wir gestern nach Vorlagen der Studenten
zugeschnitten"
, sagt Helge Bayon vom BauHaus-Team. Er tupft Leim
auf den Innenrand eines offenen Kastens. Martin Plass begutachtet
einen der würfelförmigen Stühle, tippt gegen die Lehne und fragt,
ob man da hinein noch einen offenen Griff sägen könne. Dann lasse
sich der Stuhl besser auf der Bühne bewegen.
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In der BauHaus-Werkstatt entsteht zurzeit das Bühnenbild für " Die
Eisvögel"
. Hier Philipp Sakoucky, Theja Schindler und Stefanie
Fernsemer (von links) bei der Arbeit. Foto: wita/Uwe Stotz
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Insgesamt drei Entwürfe hätten die Studenten vorgelegt. " Wir
haben uns ziemlich schnell auf den Würfel geeinigt, auch wenn der
See dabei ein bisschen zu kurz kommt" , sagt Plass. Gemeinsam mit
Dr. Verena Plümer leitet er die Schauspielschule. Eine regelmäßige
Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Innenarchitektur könne er sich in
Zukunft gut vorstellen. Für diesmal habe sie sich allerdings spontan
ergeben. Gregor Müller, Darsteller des Karl, ist mit einem der
Innenarchitekturstudenten befreundet.
" Wir fanden die Aufgabe interessant und für uns nicht
alltäglich"
, berichtet Philipp Sakoucky und hebt den Wert der
unmittelbar praktischen Arbeit hervor. Intensiv haben sich die fünf
mit dem Stück auseinandergesetzt. " Unsere Idee war, dass im
Verlauf des Stückes die Würfel von den Mitwirkenden nach und nach
herausgenommen werden und das scheinbar feste und harmonisch gefügte
Gebäude auseinanderbricht" , erläutert Theja Schindler. " Unser
Bühnenbild sollte Inhalt und Aussage des Stückes visualisieren."
Nebenan stehen die drei Hauptdarsteller Gregor Müller (Karl),
Michelle Brubach (Josi) und Elif Esmen (Eva) sowie
Schauspielschülerin Daniela Fonda mit elektrischen Schraubendrehern
bewaffnet und fügen Würfel zusammen. " Die Eisvögel" sind
nicht nur eine schauspielerische, sondern auch eine handwerkliche
Herausforderung.
Wiesbadener Tagblatt vom 20.01.2009
Gerne Gretchen oder Cleopatra Die Jungschauspielerin Jasaman Roushanaei zieht es zu den Klassikern
von Marianne Kreikenbom
WIESBADEN.
Mit dem " Prädikat der Bühnenreife" beendete Jasaman Roushanaei kurz vor
Weihnachten ihre dreijährige Ausbildung an der Wiesbadener Schule für
Schauspiel. Ab März ist die frisch gebackene junge Schauspielerin auf
der Bühne des Kleinen Hauses in Wiesbaden zu sehen.
Geboren wurde Jasaman Roushanaei im Iran. Als Fünfjährige kam sie mit
ihren Eltern nach Deutschland, wo sie in Worms aufwuchs. Schon als
kleines Mädchen habe sie leidenschaftlich gern auf einer Bühne
gestanden und Theater gespielt, in der Schule zum Beispiel. " Für mich
war es gar keine Frage, dass ich jemals etwas anderes machen würde" ,
bekennt sie.
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Im Internet hat sie nach einer Schauspielschule gesucht und sich
schließlich für die in Wiesbaden entschieden. " Hier gibt es eine
dreimonatige Probezeit, bevor man die Aufnahmeprüfung absolviert, das
ist eine tolle Sache, habe ich gedacht." So könne man sehen, wie es
läuft und ob die Ausbildung das Richtige für einen sei. " Man geht
entspannter in die Aufnahmeprüfung."
Was haben ihre Eltern zur Berufswahl gesagt? Anfangs seien da schon
einige Bedenken aufgetaucht, vor allem wegen der großen Konkurrenz,
erzählt Jasaman Roushanaei. " Aber sie haben dann die ganze Zeit wie ein
Fels hinter mir gestanden, mir Mut gemacht und immer an mich geglaubt."
Ohne die finanzielle Unterstützung ihrer Eltern hätte sie die
Ausbildung nicht aufnehmen und beenden können. Zweimal im Jahr bringt die Wiesbadener Schauspielschule eine eigene
Inszenierung heraus. Regie führen im Wechsel Martin Plass und Dr.
Verena Plümer. Beide teilen sich auch die Leitung der 1952 gegründeten
Schule. Produktionen und Projekte bieten den Schauspielschülern die
Möglichkeit, sich in vielen unterschiedlichen Rollen auszuprobieren.
Das Spektrum reicht von Lesungen und Improvisationen bis hin zu Stücken
der klassischen und der modernen Theaterliteratur. Darüber hinaus
bestehen gute Kontakte zum Wiesbadener Staatstheater und zum ZDF,
dessen Besetzungsbüro sich gern und regelmäßig meldet, wenn kleinere
Rollen - etwa in der Krimi-Serie " Ein Fall für zwei" - zu vergeben
sind. Mehrere Schauspieler des Staatstheaters sowie dessen Dramaturgin
Carola Hannusch unterrichten an der Schule. Jasaman Roushanaei hat in zahlreichen Produktionen ihrer
Schauspielschule mitgewirkt. Sie war der Herzog von Venedig in
Shakespeares " Othello" , der Danton in Georg Büchners " Dantons Tod" und
die Antiope in Verena Plümers Bearbeitung der Euripides-Tragödie " Die
Troerinnen"
. Tobias Materna, bis Ende der Spielzeit 2007/08 Leiter der
Wartburg, besetzte sie als Lieschen in seiner Urfaust-Inszenierung.
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 Die gebürtige Iranerin und in Worms aufgewachsene Jasaman Roushanaei
hat die Wiesbadener Schauspielschule mit Erfolg
absolviert.RMB/Friedrich Windolf
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Die Freude war groß, als Materna anrief und ihr die Rolle der
Stewardess in " Funkenflug" von Tena Stivcic anbot. Als Gast inszeniert
er das Stück am Kleinen Haus des Staatstheaters. Premiere ist am 7.
März. " Es geht um Geschichten und Schicksale von Menschen, die
unfreiwillig auf einem Flughafen gestrandet sind."
Was wären ihre Traumrollen? Jasaman Roushanaei muss nicht lange
überlegen. " Die Cleoptara aus Shakespeares `Antonius und Cleopatra´ ,
die Laura aus Tennessee Williams´ `Glasmenagerie´ und das Gretchen aus
Goethes `Faust´." Eine Agentur werde sie sich demnächst suchen und sich
überall bewerben " Ich mache alles gern: Film, Theater, Sprecherjobs."
Man lerne immer etwas dazu und nie aus.
An eine Erfolgsformel glaubt sie nicht. Ja, es sei ein hartes Geschäft,
räumt sie nachdenklich ein. " Manche geben vielleicht zu schnell auf."
Irgendwann möchte sie so gut im Geschäft sein und so ernst genommen
werden, dass sie zu recht sagen kann: Ich bin Schauspielerin.
Wiesbadener
Kurier vom 17.12.2008
Von den Folgen des Krieges Premiere der Wiesbadener Schauspielschule: Euripides " Die Troerinnen"
Marianne Kreikenbom
In der Inszenierung von Verena Plümer feierte das Euripides-Stück " Die
Troerinnen"
in der Schauspielschule Wiesbaden seine Premiere. Die
Produktion mit Schülerinnen und Schülern der Abschlussklasse ist rundum
eine Meisterleistung, die sich dem antiken Autor und ausnahmslos allen
Mitwirkenden verdankt.
Nach Aischylos und Sophokles zählt Euripides (485/480 bis 406 v. Chr.)
zum Dreigestirn der großen griechischen Tragödiendichter. Im
Mittelpunkt seiner 415 v. Chr. uraufgeführten " Troerinnen" , stehen die
Folgen des zehnjährigen Krieg der Griechen um Troja. In einer von
Männern bestimmten Gesellschaft wie der griechischen spiegelt Euripides
vergangenes und gegenwärtiges Geschehen aus Sicht der Frauen, die als
traumatisierte Opfer überlebt haben.
Einzeln werden sie als Sklavinnen an die griechischen Sieger verlost.
Die unbeugsame, aber gebrochene Königin Hekabe (Johanna Genther) kommt
an den verhassten Odysseus. Im Trojanischen Krieg hat sie ihren Mann
und alle ihre Kinder verloren, unter ihnen Paris und Hektor. Nur
Tochter Kassandra, die Seherin, ist ihr geblieben. Rache schwörend,
lässt sich Kassandra (Soraya Mezher) nach Griechenland bringen.
Andromache (Greta Carl), Hektors Witwe, muss den Griechen ihr Kind
ausliefern. Sie töten den vermeintlich gefährlichen kleinen
Thronfolger, indem sie ihn vom Turm der Stadt Troja werfen. Überzeugend
spielt Greta Carl die ohnmächtige Verzweiflung der Andromache, die von
Talthybos das ihrem Kind bestimmte Schicksal erfährt. Steven Gänge
verleiht dem Talthybos die tragische Gestalt eines zwischen
Pflichterfüllung und Mitleid schwankenden Überbringers furchtbarer
Nachrichten.
Eine der stärksten Szenen dieser Aufführung ist die Verteidigungsrede
der vermeintlich am Krieg schuldigen schönen Helena (Linda-Marie
Runkel), auf die sich die Troerinnen wütend stürzen. Selbstbewusst
beansprucht Helena das Recht auf ihre Liebesbeziehung mit wem auch
immer. Menelaos (Christian Schwarz), der gehörnte Ehemann, wird Helena
die Affäre mit Paris verzeihen. Ein Krieg wofür? Am Ende bleiben die
Verzweiflung der Melinoe (Sabrina Caramanna) und die traurigen Worte
der Antiope (Jasaman Roushanaei): " Es gibt kein Troja mehr."
Atemlose Stille herrscht im Saal. Gemeinsam mit ihren Akteuren gelingt
Regisseurin Verena Plümer das Kunststück, den Spannungsbogen von der
ersten bis zur letzten Minute aufrecht zu halten, ohne dass der Text in
aneinandergereihte Monologe zerfällt. Behutsam und maßvoll hat sie die
Originalfassung bearbeitet und die Sprache der heutigen angeglichen.
Wer einen Klassiker der antiken Tragödie zeitgemäß, aber ohne
vordergründigen Schnickschnack so auf die Bühne bringen will, dass er
sein Publikum erreicht, der schaue sich diese Inszenierung an. Erwähnt
sei noch, dass alle acht Schauspieler ihre Abschlussprüfungen glänzend
bestanden haben.
Wiesbadener
Tagblatt vom
19.04.2008
Johanna
spielt die schöne Leiche Ein
Fall für zwei...mal fünf Wiesbadener Schauspielschüler
in Frankfurt
Seit
Dienstag dreht die Wiesbadener Odeon TV fürs ZDF eine neue Folge der Krimi-Reihe " Ein Fall für zwei" . Ihr Titel lautet " Die Indizienfalle" . Mit von der Partie sind Schüler der Schauspielschule Wiesbaden. Deren Leiter Martin Plass lud uns zu den Dreharbeiten in Frankfurt ein. Regisseur Patrick Winczewski war erfreut über das Interesse, vor allem aber über die Leistungen des Schauspielnachwuchses.
Von
Marianne Kreikenbom
Als Plass gegen 18 Uhr mit seiner Truppe auf dem Frankfurter Rebstockgelände ankommt, ist es sommerzeitlich noch hell, aber winterlich kühl. Wohnwagen und Technikfahrzeuge parken auf den Wegen. Bis 1936 befand sich hier der alte Frankfurter Flughafen. Ein Graben mit Brücken zieht sich durchs Gelände. An einer der Brücken steht ein Kamerakran, ein Stück entfernt ein Flutlichtstrahler, in der Nähe sind mehrere
Scheinwerfer.
Zum Aufwärmen gibt es zwei Zelte, heißen Kaffee oder Tee und bei Bedarf eine dicke Steppjacke aus der Garderobe. Eine Frau kommt auf die Schauspielschüler zu. " Ich gehöre zur Maske und brauche die Leiche" , sagt sie. Johanna Genther meldet sich und verschwindet mit der Frau in einem der Wohnwagen. Deutlich blasser als vorher erscheint sie später wieder. Sie sei erdrosselt worden, antwortet sie auf die
Frage nach der Todesart.
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Greta, Linda, Johanna, Christian und Ali - strahlende Wiesbadener Schauspielschüler bei ihrem ersten Dreh vor Fernsehkameras. In ein paar Monaten werden sie zu sehen sein in " Ein Fall für zwei" . Die Folge heißt:
"
Die
Indizienfalle"
. Fotos: Martin Plass
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Aber noch ist es nicht dunkel genug für einen Mord im Park. Zunächst betritt Paul Frielinghaus alias Dr. Markus Lessing die Szene respektive die Brücke über den Graben. Er ist - Krimifreunde wissen das - Anwalt und als solcher Arbeitgeber von Privatdetektiv Josef Matula, der an diesem Abend am Rebstock nicht mitspielt.
" Drehen heißt vor allem warten" , sagt Plass und muss es wissen. Schließlich ist er selbst gelernter Schauspieler und hat viel fürs Fernsehen gearbeitet. Für Greta Carl und Linda Runkel ist es die erste Erfahrung mit dem Medium. An der Schule proben sie gegenwärtig mit Martin Plass " Dantons Tod" von Georg Büchner: Greta in der Rolle des Robespierre, Linda als Lucile.
Auch Christian Schwarz und Ali Murtaza spielen in der neuen Schulinszenierung mit. Zuletzt waren sie als Cassio respektive Jago in Shakespeares " Othello" zu sehen.
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Für
den Fernsehdreh in Frankfurt wurden ursprünglich nur drei junge Leute gesucht. Sie sollten Betrunkene darstellen, die von einer Party kommen und im Park eine Leiche finden. " Odeon TV rief bei uns an und fragte, ob wir die Gruppe besetzen könnten. Wir haben sofort Demo-Bänder gemacht, zwei Stunden später war die Regieassistenz bei uns" , berichtet Plass. Nachdem Patrick Winczewski die Castingbänder begutachtet hatte, wurde das Drehbuch etwas verändert und aus der anonymen
Dreiergruppe eine vierköpfige
Gruppe leicht alkoholisierter, übermütiger Schauspielschüler gemacht, die aus " Dantons Tod" rezitieren, bis sie auf die Tote treffen.
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Insgesamt spielen zehn Wiesbadener Schauspielschüler in " Die Indizienfalle" mit. Einen Tag vor dem Frankfurter Drehtag hatten bereits fünf andere Schüler in Feickerts Wiesbadener Pudelbar als Pokerrunde vor der Fernsehkamera gestanden. Natürlich gebe es verschiedene Komparsen- Agenturen für die Besetzung kleiner Rollen, sagt Odeon-Produktionsleiter Jochen Hauff. Manchmal jedoch
brauche man auch Leute
mit mehr schauspielerischer Erfahrung, die trotzdem nicht gleich hochkarätige Darsteller seien. " Die Regieassistenz fragte mich nach einer Schauspielschule in greifbarer Nähe, da habe ich ihnen die in Wiesbaden genannt" , erzählt Hauff. Wenn es die Gelegenheit ergibt, würde er gern wieder auf sie zurückgreifen.
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Linda
Runkel rezitiert auf der Brücke übermütig die Worte " Sterben - Sterben!" aus Büchners " Dantons Tod"
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" Unsere Schule hat ein unglaubliches Glück mit diesem Dreh und diesem Regisseur" , ist Martin Plass überzeugt. Nicht jeder sei so begeistert bei der Sache wie Winczewski und arbeite so intensiv mit Kleindarstellern oder Schauspielschülern. Man merke, dass er selbst Schauspieler ist und ganz genau weiß, was ein Schauspieler braucht. Solche Auftritte in der Praxis seien wichtig. "
Unsere Schüler lernen
den Unterschied zwischen Theater und Film oder Fernsehen kennen, sie sammeln Erfahrungen und können Kontakte knüpfen." Dass seine Schüler hier richtige kleine Szenen spielen, hätte Plass nicht gedacht. Seit 1997 ist Winczewski auch als Regisseur fürs Fernsehen tätig. Nachdem er mit dreißig Folgen der Daily Soap " Verbotene Liebe" und 33 Folgen " Lindenstraße" gestartet war, drehte er unter anderem zweiundzwanzig Folgen " Soko Leipzig"
. Bei " Ein Fall für zwei"
führt
er das erste Mal Regie. Insgesamt vierzehn Drehtage sind geplant. Bis der Film auf den Bildschirm kommt, werden allerdings drei bis vier Monate vergehen.
Gegen 21 Uhr sitzen Greta, Linda, Johanna, Christian und Ali im Zelt bei ihrer Probebesprechung mit dem Regisseur. " Seid wer ihr seid: Schauspielschüler" , ermuntert sie Winczewski. " Eure Kunst besteht darin, dass ihr frei seid und zugleich bei mir, damit Ordnung in das Ganze kommt." Die vier legen sich ins Zeug und machen ihrer Schule alle Ehre. Schade, dass sie nicht auch am folgenden Drehtag dabei seien, meint Linda. Da ist es bereits eine halbe Stunde nach Mitternacht.
FR vom 13.3.08 von
Ralf Munser
Fahrendes Volk Die Schauspielschule zieht um ins
Georg-Buch-Haus - das ist aber noch Baustelle
Die Wiesbadener Schule für
Schauspiel muss ihren bisherigen Standort im Butterblumenweg 5
verlassen. Aber im neuen Domizil im Georg-Buch-Haus an der
Wellritzstraße haben die Umbau- und Sanierungsarbeiten noch
nicht einmal begonnen. Deshalb drohen den Schauspielschülern und
ihren Dozenten mehrere Monate lang chaotische
Unterrichtsverhältnisse. " Eigentlich ist alles auf dem Weg
und alle wollen, dass wir dorthin gehen. Aber es hat erhebliche
Verzögerungen gegeben" , sagt Martin Plass, der gemeinsam
mit Verena Plümer die staatlich anerkannte Privatschule leitet.
Verzögerung im Parlament
Jetzt versucht die
Stadtentwicklungsgesellschaft, Vermieterin des Gebäudes, der
Schauspielschule zu helfen. " Wir sind in Gesprächen mit der
Montessorischule, dass die Schauspielschule bis Ende Mai bleiben
darf"
, sagt Geschäftsführer Andreas Guntrum.
Die Stadtverordnetenversammlung hatte
erst nach der Sommerpause im vergangenen Jahr dem Umzug der
Schauspielschule in das Georg-Buch-Haus und entsprechenden
Renovierungsarbeiten zugestimmt - später als geplant. " Da
hatten wir unser Mietverhältnis mit der
Stadtentwicklungsgesellschaft schon längst gekündigt. Unser
erster Plan war mal ursprünglich, im November 2007 umzuziehen" ,
so Plass.
Bislang ist die Schauspielschule auf drei Standorte
in der Stadt verteilt. Das sei aber nicht gut für die Schüler,
meinen Plass und Plümer. " Wir platzen aus allen Nähten."
Im Georg-Buch-Haus werden rund 500 Quadratmeter Platz zur Verfügung
stehen. Allerdings stand das Dachgeschoss 15 Jahre lang leer. Deshalb
gibt es dort viel zu tun. Wände müssen eingerissen, Estrich
verlegt, Elektrik erneuert und Verkleidungen angebracht werden. Nach
derzeitigem Stand sollen die Arbeiten nach Ostern losgehen.
"
Mittlerweile liegt auch eine Baugenehmigung vor" , sagt
Plass. Für den ersten Bauabschnitt rechnet Plass mit fünf
Wochen Arbeitszeit, für den zweiten mit weiteren sieben. Im
Sommer könnte - wenn alles klappt - die Schule also umziehen.
Händeringende Platzsuche
Und bis dahin? Plass und Plümer
wissen auch nicht genau, wie es weitergehen soll. " Wir schauen
uns im Moment einzelne Räume an. Die Situation ist schwierig" ,
so Plass. " Händeringend" wird Platz für den
Unterricht gesucht, zumal sich einige der insgesamt 30 Schüler
auf ihren Abschluss vorbereiten müssen. " Der Unterricht
muss irgendwie weitergehen."
Anmerkung:
Unser Raumproblem ist inzwischen gelöst. Die SEG hat unsere
Duldung bis Ende Mai verlängert, der erste Bausabschnitt der
neuen Räume soll in der 3. Maiwoche fertiggestellt sein, so
dass wir mit dem Unterrichten beginnen können. Etwa entstehende Engpässe
in den ersten Wochen können wir durch zwei für den Monat
Juni angemietete Räumeauf dem Gelände der Campus Klarenthal
gGmbh vermeiden. Und nach dem Sommerferien gibt es dann die
große Einweihung mit Premiere unserer aktuellen Produktion " Dantons
Tod" von Georg Büchner. WSfS
Wiesbadener Tagblatt vom 19.12.2007 (Auszug) von Erika
Noack
Einst die Martha von den Hesselbachs Im künftigen Künstlerviertel erinnern geplante Straßennamen an bedeutende Frauen
Vom 19.12.2007
Der
bauliche Fortschritt bei der Erschließung des künftigen
Künstlerviertels macht sichtbare Fortschritte. Inzwischen nehmen
weitere Straßen im Quartier Gestalt an. In der
Maria-Sibylla-Merian-Straße, der Allee im Künstlerviertel, die den
Stadtteil von Norden her erschließt, sind sogar bereits die ersten
Straßenlaternen installiert worden.
Auch bei der
Herta-Genzmer-Straße im Westen des Künstlerviertels hat sich viel
getan. Bordsteine und Fußwege sind schon gut erkennbar. Sie verbindet
die Maria-Sibylla-Merian-Straße mit dem Christa-Moering Platz. Die Namensgeberin, die
Schauspielerin Hertha Genzmer, wurde 1896 in Halle geboren. Von 1922
bis 1947 war sie am Staatstheater in Wiesbaden engagiert. Außerdem
hatte Sie Auftritte in Funk und Fernsehen. In der berühmten hessischen
Hörfunk- und Fernsehfamilie " Die Hesselbachs" spielte sie die Martha.
1952 gründete sie die Schauspielschule Genzmer. 1957 erhielt sie die
Goethe-Plakette. 1960 nahm sie an der Staatlichen Hochschule für Musik
in Frankfurt einen Lehrauftrag an. 1962 wurde sie mit der Goldenen
Ehrennadel der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehörigen ausgezeichnet
und 1966 durch die Verleihung des Verdienstkreuzes 1. Klasse geehrt. Am
2. Februar 1971 starb Hertha Genzmer in Wiesbaden.
...
Wiesbadener Tagblatt vom 25.06.2007 von Marianne Kreikenbom
Ernsthafter
Partnertausch Schnitzlers
"
Reigen"
treppauf und treppab in der Villa Schnitzler
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Verführung
im Garten der Villa Schnitzler: der Soldat (Ali Murtaza) und das
Stubenmädchen (Johanna Genther). Foto: wita/Paul Müller
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MaK. - Im Rahmen der Veranstaltungen zum
Wiesbadener " Jahr des Historismus" hatte am Samstagabend in
der Villa Schnitzler die Komödie " Reigen" des Wiener
Autors Arthur Schnitzler (1868-1931) ihre Premiere. Eine Inszenierung
der Schauspielschule Wiesbaden, unterstützt von der
Volkshochschule.
Kurz vor
Beginn der Vorstellung hoffen alle, dass es nicht regnet. Die ersten
beiden Szenen finden im Garten der Villa Schnitzler statt. Die
Schirme stehen griffbereit. Eine Blondine ganz in Rot spaziert vor
der Veranda auf und ab. " Komm, mein schöner Engel" ,
lockt die Dirne (Sabrina Caramanna) den Soldaten (Ali Murtaza). Wenig
später steht er mit dem Stubenmädchen Marie unterm
Apfelbaum. Er zieht sie ins Gebüsch. " Sag wenigstens, hast
mich gern?" , will Marie " danach" wissen.
Schnitzlers
Stück ist eine zyklisch angeordnete Szenenfolge in zehn Dialogen
mit insgesamt zehn Figuren. Geschildert werden zehn Begegnungen
sexueller Art. Gewissermaßen im fliegenden Wechsel wird am Ende
jeder Szene einer der Partner ausgetauscht und die soziale Leiter
munter auf- und abgestiegen.
Der
Liebesreigen beginnt mit der Dirne und dem Soldaten, dreht sich
weiter zum Soldaten und dem Stubenmädchen (Johanna Genther), das
an den jungen Herrn (Gregor Müller) gerät und der junge
Mann an eine verheiratete junge Frau (Linda Runkel), die sich von
ihrem Ehemann (Christian Schüler) sexuell vernachlässigt
fühlt. Der Gatte seinerseits hat ein " süßes
Mädel"
(Soraya Mezher) an der Hand, das mit einem Dichter
(Christian Schwarz) anbandelt, der ein lustvolles Wochenende mit
einer Schauspielerin (Jasaman Roushanaei) verbringt.
Die
Schauspielerin wiederum begehrt einen Grafen (Steven Gänge), der
im Vollrausch bei der Dirne vom Beginn des Spiels landet, worauf sich
der Reigen schließt, aber unendlich fortsetzbar wäre.
Zehnfach variiert, wiederholt sich das vom Trieb bestimmte Ritual der
Verführung. Unterwürfigkeit, Naivität, Schamlosigkeit,
Spaß am Abenteuer, eheliche Pflichterfüllung, Verstellung
und zynisches Raffinement sind die Voraussetzungen, die Mann oder
Frau zum Ziel führen.
In den Jahren
1896/97 geschrieben, aber erst 1920 am Kleinen Schauspielhaus Berlin
uraufgeführt, begleiten Skandale und Fehlinterpretationen die
Rezeptionsgeschichte des Stückes. Unzucht und Erregung
öffentlichen Ärgernisses warf man den Schauspielern 1921 im
"
Reigenprozess"
vor. Die gängige, aber
undifferenzierte Einordnung ins Genre " erotische Literatur"
gehört bis heute zu den Missverständnissen.
Martin Plass
und Verena Plümer, das Leitungs- und Regieduo der Wiesbadener
Schauspielschule, entgehen solcher Gefahr. Sie nehmen das Stück
ernst, rücken neben dem Animalischen und Leichten des Spiels
auch das tragische Moment der Oberflächlichkeit und
Vergänglichkeit in den Blick.
Ihre
"
szenische Reise" führt die aus Platzgründen
begrenzte Zuschauerschar treppauf und treppab durch die Villa. Zwei
adrette Stubenmädchen (Michelle Brubach und Elif Esmen)
übernehmen die Führung. Mit Spieluhr und Staubwedel
bewaffnet, stellen sie sich " g´schamig" vor jeden -
angedeuteten - Liebesakt. Zwischendurch singt Judith Wollstädter
als Gast innige Lieder aus Operetten von Robert Stolz und Franz
Lehár. Fünf weitere Vorstellungen sind bereits
ausverkauft.
Wiesbadener Tagblatt vom 26.03.2007 von Marianne Kreikenbom
Lehre in Grenzüberschreitung Jung-Schauspieler Bülent Özdil träumt vom festen Engagement
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Wir
verabreden uns vor der Wartburg, der Außenspielstätte des Wiesbadener
Staatstheaters. Das passt, finde ich, denn mein Gesprächspartner Bülent
Özdil - im vergangenen Dezember frisch gebackener Absolvent der
Wiesbadener Schule für Schauspiel - probt hier seit Anfang März unter
der Regie von Tobias Materna das Stück " Clockwork Orange" nach dem
Roman von Anthony Burgess. Fünf kleine Rollen hat Bülent Özdil darin
als Gast übernommen. Am 21. April ist Premiere.
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 Als Sohn türkischer Eltern von fränkischer Bauernfamilie perfekt integriert: Bülent Özdil.Foto: wita/Uwe Stotz
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Wer Goethes " Urfaust" in der Wartburg gesehen hat, der erinnert sich
vielleicht an Gretchens Bruder Valentin. Mit der Rolle debütierte Özdil
im Januar 2006 noch während des Schauspielstudiums. Vorausgegangen war
2004 eine Regieassistenz in Maternas Inszenierung der finnischen
Handy-Komödie " Mobile Horror" . Außerdem - aller guten Dinge sind vier -
stand Özdil in der Rolle des Jimmy aus John Osbornes " Blick zurück im
Zorn"
auf der Wartburg-Bühne. Das allerdings war ein Gastspiel der
Schauspielschule, die alljährlich im Frühjahr und Herbst ein Stück mit
ihren Abschlusskandidaten in den Hauptrollen inszeniert und öffentlich
vorstellt. Diese Möglichkeit in der Wartburg zu gastieren, ist ein
Glücksfall und der guten Zusammenarbeit zwischen Schauspielschule und
Theater zu verdanken.
Bülent Özdil wurde 1981 als Kind türkischer Eltern in Rothenburg ob der
Tauber geboren. Aufgewachsen ist er in Bad Windsheim, einer Kurstadt
zwischen Würzburg und Nürnberg. " Meine Eltern sind Anfang der 70er
Jahre als ganz klassische Gastarbeiter nach Deutschland gekommen und
haben sich hier kennen gelernt."
Der 26-Jährige spricht ein so lupenreines Deutsch, dass man die Frage
nach der Muttersprache glatt vergessen könnte und sie gerade deshalb
dann doch stellt. " Da meine Eltern voll berufstätig waren, bin ich in
einer fränkischen Bauernfamilie groß geworden und habe dort alle
Gepflogenheiten der deutschen Sprache mitbekommen." Er habe " eine
zutiefst deutsche Erziehung in Kombination mit türkischer Kultur"
hinter sich und sei perfekt integriert worden. Dass er damals lieber
Deutsch als Türkisch sprach, bedauert er inzwischen ein bisschen. Klar
könne er sich auch auf Türkisch verständigen, aber längst nicht so gut
wie in deutscher Sprache.
Nicht anders als die meisten deutschen Mütter und Väter
wollten auch Bülents Eltern ihrem Kind eine gute Ausbildung mit auf den
Lebensweg geben. Ihr Sohn sollte studieren. Er entschied sich für
Anglistik und ging nach Erlangen. Es blieb eine Stippvisite, denn schon
nach der ersten Vorlesung sei die Sache für ihn erledigt gewesen. Diese
Art des Studierens ohne äußere Disziplin lag ihm nicht. " Meine Mutter
fragte mich dann eines Tages, was ich wirklich will, und als ich
antwortete `Schauspieler werden`, war das in Ordnung." Manchmal, fügt
er lächelnd hinzu, müsse man eben einfach nur über seine Wünsche reden.
"
Als meine Eltern merkten, dass es mir nicht um Berühmtheit und
vermeintlichen Reichtum geht, sondern um Leidenschaft, waren sie
überzeugt und haben mich unterstützt."
Was heißt Leidenschaft? Die Lust und Möglichkeit, etwas darzustellen,
das man persönlich nie tun würde, jemanden zu spielen, der man
eigentlich nicht ist. " Wenn ich eine Rolle studiere, erfinde ich eine
Figur, schaue in meine eigene Persönlichkeit hinein und versuche sie
dieser Figur anzupassen oder sich ihr anzunähern, dabei überschreite
ich Grenzen, die spannender sind als das Privatleben im Allgemeinen."
Nützen einem beim Schauspielen persönliche Erfahrungen wie zum Beispiel
eine unglückliche Liebe? " Erfahrungen können helfen, aber eine all zu
große Befangenheit in der eigenen Persönlichkeit wäre falsch,
schließlich haben wir ein Handwerk gelernt, mit dessen Hilfe wir ganz
andere Menschen als uns selbst darstellen können." Was sind
Grenzüberschreitungen der eigenen Persönlichkeit? " Die Darstellung von
Gewalt."
An der Schauspielschule erhalte man gewissermaßen eins zu eins das
Rüstzeug und erfahre Schauspiel gleichsam in seiner natürlichen
Grundform, ohne die individuelle Prägung durch eine bestimmte Richtung
der Regiearbeit. Den Umgang mit verschiedenen Inszenierungskonzepten
lerne man in der Theaterpraxis. " Ich habe das Glück, meine ersten
Berufserfahrungen hier in Wiesbaden als Gast an einem großen Theater
machen zu können." Nicht überall gilt das allerdings als ein Vorteil.
Bei einem Vorstellungsgespräch weitab der hessischen Landeshauptstadt
schien der Intendant - aus welchem Grund auch immer - wenig begeistert.
"
Ich bin nicht einmal zum eigentlichen Vorsprechen gekommen."
Insgesamt hundertachtzig so genannte Blindbewerbungen hat Özdil
bundesweit verschickt. Die Adressen stammen aus dem Theaterjahrbuch.
Rund siebzig Antworten stehen noch aus. Man benötigt eine gehörige
Portion Durchsetzungsvermögen, gesundes Selbstvertrauen und ein dickes
Fell, weiß Özdil inzwischen. Ist das anders als etwa bei einem
Bankkaufmann? " Bewerbung und Ablehnung reichen in meinem Beruf sehr
weit ins Persönliche hinein, weil man ja als Typ beurteilt und auch
abgelehnt wird, aber das darf man möglichst nicht zu nah an sich
heranlassen."
Sicher könne man mit ihm nicht alles besetzen. " Mit
dunklem Haar und dunklen Augen bin ich nicht unbedingt der klassische
Held."
Fürs Vorsprechen am Theater hat er in der Schauspielschule unter
anderem die Rolle des Gustav Mahler in Joshua Sobols Polydrama " Alma -
A Show Biz ans Ende" einstudiert und den Marquis Posa aus Schillers
"
Don Carlos" .
Mit einem erstaunten " Wow, Schauspieler!" reagieren Gleichaltrige oft,
wenn sie hören, was Özdil so treibt. " Die meisten denken dabei an
TV-Soaps und nicht ans Theater." Nein, eine Seifenoper im Fernsehen
muss es für ihn nicht sein. Sein Traumziel wäre, mit Film und Fernsehen
den Lebensunterhalt zu verdienen und ansonsten fest an einem Theater zu
arbeiten. " Wer Schauspieler gelernt hat und den Beruf liebt, wird
nichts anderes mehr machen wollen als spielen."
Wiesbadener Kurier vom
10.03.2007 (Auszug)
Schauspieler
können kommen
hol. WIESBADEN Die Kämmerei hat schon
zugestimmt, und auch beim Ortsbeirat Westend fand das Konzept fürs
Dachgeschoss des Georg-Buch-Hauses großen Anklang. Einstimmig
hat der Beirat die Pläne befürwortet, dort Platz für
die Wiesbadener Schule für Schauspiel (früher
Schauspielschule Genzmer) zu schaffen. Projektleiterin Dagmar
Landler-Krämer vom Wohnungsamt stellte dem Gremium vor, was
unter dem Dach des Hauses passieren soll. Die Schauspielschule wird
sich dort komplett niederlassen (inklusive Verwaltung). Bis dies
soweit ist, sind noch einige Ausbauarbeiten zu leisten, auch
Leitungen - sie liegen bereits - müssen angeschlossen werden.
Ortsvorsteher Michael Bischoff (SPD) und seine Mitstreiter hoffen,
dass noch im laufenden Sitzungszug alle notwendigen Beschlüsse
gefasst werden, damit möglichst bald mit den Ausschreibungen für
die Arbeiten gestartet wird.
Wiesbadener Tagblatt vom 26.02.2007 von Marianne Kreikenbom
Die
Chance, sich auszuprobieren Zwei Diplome in der " Hellen Nacht" der Wiesbadener Schauspielschule
 Foto:
wita/Uwe Stotz
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Zu
einem langen Wochenende startete die Wiesbadener Schule für Schauspiel
am vergangenen Donnerstag im Bürgersaal des Georg-Buch-Hauses: An vier
aufeinander folgenden Abenden gaben Schauspielschüler verschiedener
Jahrgänge nicht nur Proben ihrer Talente, sondern mit Lesungen und
Kurzszenen auch Einblicke in ihre Ausbildung. " Helle Nacht" hieß das Programm am Samstagabend. Gezeigt wurden
Resultate von Regieworkshops und Gruppenprojekten, in denen sich die
Schauspielschüler eigenständig kurze Szenen zu einem vorgegebenen Thema
erarbeitet hatten - ohne Mitwirkung der Dozenten. " Ein Experiment" ,
erklärte Martin Plass, der gemeinsam mit Dr. Verena Plümer die
Schauspielschule leitet. " Wir wollten unseren Schülern die Möglichkeit
geben, sich auszuprobieren." Lernen kann man dabei allemal.
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Nacht, so lautete das vorgegebene Thema. In der szenischen Umsetzung
war sie meist dunkel statt - wie im Titel behauptet - hell. Liebe und
Tod, Einsamkeit und Unglück - hier und da mit Lichtblicken - bestimmten
Textauswahl und Szenencollagen. Am Anfang und am Ende des Programms
stand wie eine Klammer je eine ironisch-hintergründige Szene, in der
zwei Selbstmörderinnen respektive ein Selbstmörder mit einem
mephistophelischen respektive koboldartigem Nichts (Jasaman Roushanaei
und Johanna Genther) konfrontiert werden. Eine durchaus ernüchternde,
aber sinnlose Erkenntnis, wie der " letzte" Selbstmörder des Abends
(Gregor Müller) feststellte. Als untrennbare Einheit erschienen Tag
(Linda Runkel) und Nacht (Greta Carl) im Zitaten-Dialog, das Dunkel
bedrohlich und beherrschend in einer spannungsreichen Tanzszene (Linda
Runkel und Elif Esmen). In Erinnerung blieben die persiflierte
Hexenküche aus Goethes Faust und Julias modernisierter Auftritt ohne
Romeo, dafür mit dem verliebten Faust im Schlepptau. " Bin weder
Fräulein, weder schön, kann ungeleitet nach Hause geh´n" , wehrte sich
das aus dem Schlaf erwachte Julia-Gretchen.
Zwei, die nicht mehr zur Schule gehen, sondern im Dezember ihre
Abschlussprüfung erfolgreich bestanden haben, saßen entspannt im
Publikum: Anna Habeck und Bülent Özdil. Zum krönendem Abschluss der
"
Hellen Nacht" erhielten sie aus den Händen von Verena Plümer ihr
Zeugnis der Bühnenreife. Anfang November hatten beide in John Osbornes
Drama " Blick zurück im Zorn" - einer Eigenproduktion der Wiesbadener
Schauspielschule - auf der Wartburg-Bühne des Staatstheaters gestanden.
Bülent als Jimmy Porter und Anna als dessen Frau Arison - Hauptrollen
für die Abschlusskandidaten. " Bleibt offen, mutig und immer bereit,
euch neu auszuprobieren" , gab ihnen Verena Plümer mit auf den nicht
einfachen Weg in den Schauspielerberuf. Bülent ist derzeit in Tobias
Maternas Wiesbadener Urfaust-Inszenierung (Wartburg) als Gretchens
Bruder Valentin zu sehen. Demnächst beginnen seine Proben für
"
Clockwork Orange" ebenfalls in der Wartburg und unter Maternas Regie.
"
Ich bin jetzt eine freie Schauspielerin" , sagte Anna Habeck lächelnd.
Sie hat bereits einen Kurzfilm gedreht und freut sich auf ihr
siebenmonatiges Engagement als Pirat und mittelalterliche Magd im
Leipziger Vergnügungspark Belantis. Sie habe noch viele andere Pläne,
verrät sie. Und von Leipzig nach Berlin sei es auch nicht weit.
Wiesbadener Tagblatt vom 21.02.2007 von Marianne Kreikenbom
Mehr
Platz für Schauspieler
Vom
21.02.2007
Die
Wiesbadener Schauspielschule auf dem Freudenberg platzt aus allen
Nähten. Von einem Umzug ins Georg-Buch-Haus (Wellritzstraße
38) war Ende vergangenen Jahres die Rede. Nach dem aktuellen Stand
fragten wir Martin Plass, der gemeinsam mit Dr. Verena Plümer
die Schule leitet.
Sind
die Umzugskisten schon gepackt?
Plass:
Leider nicht. Aber in der Hoffnung, dass bald eine Entscheidung für
unseren Umzug fällt, haben wir den Mietvertrag für die
Räume im Haus am Butterblumenweg gekündigt, da er sonst
automatisch um zwei Jahre verlängert würde. Es gibt ja von
verschiedenen Seiten positive Signale für unseren Umzug ins
Dachgeschoss des Georg-Buch-Hauses.
Welche
positiven Signale meinen Sie?
Plass:
Der Ortsbeirat Westend und das Wohnungs- respektive Liegenschaftsamt
zum Beispiel befürworten den Umzug. Das Georg-Buch-Haus steht
seit etwa zehn Jahren leer. Wir wären eine gute Lösung und
in der Wellritzstraße - mitten in der Stadt - auch genau
richtig. Es wäre toll, wenn wir am 15. März auf die
Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung kämen und es eine
Entscheidung gäbe. Sonst können wir nicht planen. Außer
mehr Platz für die Schule suchen Sie auch eine eigene
Spielstätte. Reicht die Bühne im Georg-Buch-Haus nicht? Plass:
Der Bürgersaal steht zahlreichen Veranstaltern zur Verfügung,
so dass wir Auftritte langfristig planen müssten. Außerdem
könnten wir unsere Technik nicht dauerhaft installieren.
Andererseits ist die Einrichtung einer eigenen kleinen Spielstätte
im Dachgeschoss über dem Bürgersaal aus statischen Gründen
nicht möglich. Warum
eine eigene Spielstätte?
Plass:
Wir inszenieren jährlich ein klassisches und ein modernes Stück
und führen es öffentlich auf. Das Spielen vor Publikum ist
als Erfahrung für unsere Schüler wichtig. Mit einer eigenen
Spielstätte könnten wir öfter als bisher Einblicke in
unsere Arbeit geben und Eigenproduktionen vorstellen. Außerdem
schweben uns ein internationales Schauspielschulfestival und
Gastspiele vor. Zudem fehlt in Wiesbaden bislang eine Bühne für
freie Theatergruppen, die bei uns auftreten könnten.
Gewissermaßen
vorab gibt es vom 22. bis 25. Februar im Bürgersaal schon mal
ein langes Wochenende mit der Schauspielschule. Was steht auf dem
Programm?
Plass:
Arbeitsergebnisse aus dem Rollenstudium und dem Fach
Textinterpretation, aus Regieworkshops unserer Schüler und
Gruppenprojekten. Unter dem Titel " ein lichterloh brennendes
Paradies"
starten wir am Donnerstag (22. Februar, 20.30 Uhr) mit
einer Lesung zum Thema Erotik. Am Freitag und Samstag (23./24.
Februar, jeweils 20 Uhr) folgt unsere Szenencollage " Helle
Nacht"
und am Sonntag (25. Februar, 20 Uhr) die Szenencollage
"
Love is a battlefield" . Karten zum Preis von 4 Euro
(Lesung) und 8 Euro, ermäßigt 5 Euro (Szenencollagen)
erhält man über Telefon 0611-303526 oder an der Abendkasse.
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